Tausende in Tierheimen

veröffentlicht am in Tipps & Wissenswertes

Tierheime in Deutschland: Schutz, Verantwortung und eine zweite Chance

Ein Tierheim ist weit mehr als ein Ort, an dem Tiere vorübergehend untergebracht werden. Es ist Zuflucht für Tiere in Not, Anlaufstelle für Menschen und ein wichtiger Teil des praktischen Tierschutzes.

In Deutschland leben rund 33,4 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel. Hinzu kommen Zierfische und Terrarientiere. Für viele Menschen gehören Tiere selbstverständlich zur Familie. Doch nicht jedes Tier hat ein sicheres Zuhause.

Tierheime nehmen Fundtiere auf, versorgen verletzte und kranke Tiere, kümmern sich um Abgabetiere und geben Tieren die Chance auf ein neues Zuhause. Gleichzeitig übernehmen sie Aufgaben, die für Städte und Gemeinden unverzichtbar sind.

Wenn Tiere in Not geraten

Die Gründe, warum Tiere im Tierheim landen, sind vielfältig: Sie werden gefunden, ausgesetzt, abgegeben oder können von ihren Halterinnen und Haltern nicht mehr versorgt werden. Hinzu kommen unkontrollierte Vermehrung, Tierhortung, illegaler Handel oder Haltungsbedingungen, mit denen Menschen überfordert sind.

Viele Tierheime arbeiten inzwischen dauerhaft an ihrer Belastungsgrenze. Steigende Personal-, Energie- und Tierarztkosten treffen auf längere Aufenthaltszeiten und Tiere mit immer höherem medizinischem oder verhaltensbezogenem Betreuungsbedarf. Zwei von drei Tierheimen waren nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes bereits 2024 nahezu dauerhaft voll belegt oder mussten Aufnahmestopps verhängen.

Das bedeutet: Jeder Platz, der frei wird, ist wichtig. Und jedes Tier, das gar nicht erst in Not gerät, ist ein Gewinn für den Tierschutz.

Aussetzen ist keine Lösung

Wer ein Tier nicht mehr halten kann, braucht Unterstützung – aber das Tier darf niemals einfach sich selbst überlassen werden. Das Aussetzen eines Tieres ist nach § 3 Tierschutzgesetz verboten und kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Werden einem Tier dadurch erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt, können je nach Umständen auch strafrechtliche Folgen hinzukommen.

Deshalb gilt: Wer ein Tier nicht mehr versorgen kann, sollte sich frühzeitig an ein Tierheim oder einen Tierschutzverein wenden. Gemeinsam lässt sich häufig eine verantwortungsvolle Lösung finden.

Katzenelend beginnt oft unsichtbar

Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung nachhaltigen Tierschutzes beim Katzenschutz. Freilebende, nicht kastrierte Katzen können sich unkontrolliert vermehren. Krankheiten, Verletzungen, Hunger und ein harter Überlebenskampf sind die Folge.

TERRA MATER e.V. setzt deshalb auf konkrete und nachhaltige Maßnahmen: Fundkatzen werden versorgt, identifiziert und ihren Halterinnen und Haltern zugeordnet. Kann kein Halter ermittelt werden und ist eine Kastration aufgrund der Situation und des Alters möglich, werden nicht kastrierte Katzen kastriert und gekennzeichnet.

Streunende Katzen können – wenn die Voraussetzungen gegeben sind – an geeignete Futterstellen zurückkehren. Sozialisierten Katzen geben wir die Chance auf ein neues Zuhause. Nicht vermittelbare Tiere können dauerhaft bei uns bleiben.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Tiere. Kastration, Kennzeichnung und Registrierung helfen, Tierleid langfristig zu vermeiden. § 13b Tierschutzgesetz ermöglicht den Ländern, zum Schutz freilebender Katzen entsprechende Gebiete und Maßnahmen festzulegen. Dazu können unter anderem Maßnahmen zur Fortpflanzungskontrolle sowie zur Kennzeichnung und Registrierung gehören.

Unser Appell an Katzenhalterinnen und Katzenhalter ist deshalb klar: Lassen Sie Ihre Katze kastrieren, chippen und registrieren. Damit schützen Sie nicht nur Ihr eigenes Tier, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Katzenschutz.

Chippen und registrieren kann Leben retten

Ein Tier kann entlaufen – auch eine Wohnungskatze. Ist es gekennzeichnet und registriert, lässt sich seine Halterin oder sein Halter im Fundfall schnell ermitteln. Der Chip allein reicht dafür allerdings nicht: Erst die Registrierung verknüpft die Chipnummer mit den Kontaktdaten des Menschen.

Wie wichtig das ist, zeigen die Zahlen von TASSO: 2025 wurden dort rund 93.500 vermisste Katzen gemeldet; etwa 73.200 Katzen konnten wieder zu ihren Menschen zurückvermittelt werden.

Tierheimtiere verdienen eine Chance

Wer ein Tier aufnehmen möchte, sollte deshalb auch im Tierheim schauen. Dort warten Tiere mit ganz unterschiedlichen Geschichten: junge und alte, unkomplizierte und besondere, zutrauliche und zurückhaltende.

Eine Vermittlung bedeutet dabei nicht einfach, ein Tier „abzugeben“. Bei TERRA MATER e.V. steht im Mittelpunkt, dass Tier und Mensch zueinander passen und langfristig zusammenbleiben können.

Auch bei TERRA MATER e.V. ist der Bedarf groß: Auf unseren Stationen in Lustadt und Guben versorgen wir derzeit rund 500 Tiere, darunter etwa 250 Katzen – einschließlich rund 40 Kitten. Allein bis Juni 2026 haben wir bereits rund 480 Fund- und Abgabetiere aufgenommen. Dazu kommen medizinische Behandlungen, Kastrationen und die tägliche Versorgung der Tiere.

Was Sie tun können

Tierschutz beginnt nicht erst im Tierheim. Sie können selbst viel bewirken:

  • Entscheiden Sie sich für ein Tier aus dem Tierschutz.
  • Lassen Sie Ihre Katze kastrieren, chippen und registrieren.
  • Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung, wenn die Haltung eines Tieres schwierig wird.
  • Kaufen Sie keine Tiere aus zweifelhaften Quellen.
  • Unterstützen Sie Tierheime und Tierschutzvereine mit einer Spende, Patenschaft oder Sachspende.

Denn Tierheime können auffangen, versorgen und neue Wege eröffnen. Nachhaltiger Tierschutz beginnt jedoch dort, wo Verantwortung übernommen wird, bevor ein Tier in Not gerät.

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