Wieso Tierpfleger*in?

Fit für die Zukunft: Aktiver Tierschutz mit fundiertem Wissen!

Um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein, unterstützen wir den Nachwuchs auf den eigenen sowie den Partnerstationen. Bis zu fünf Auszubildende erlernen jährlich im TM Tierschutz-Netzwerk den Beruf der/des Tierpflegerin/Tierpflegers.

Bei unserem Tierschutzpartner, dem Geißblatthof in Warpe, hat Melissa Schröder, ihre 3jährige Ausbildung im Sommer 2019 abgeschlossen und ist nun als staatlich geprüfte Tierpflegerin auf dem Geißblatthof weiterbeschäftigt. Ihre Kollegin Katrin Meyer ist im zweiten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Tierpflegerin.

Wir haben beide einmal „ausgefragt“, was sie an ihrem Beruf fasziniert, was sie sich anders vorgestellt haben und warum gerade dieser Beruf für sie das Richtige ist.

Lesen Sie selbst:

Katrin Meyer, Auzubildende im 2. Lehrjahr

Hallo Katrin, was fasziniert Dich am Beruf Tierpflegerin?

Zuerst einmal habe ich mir den Beruf ausgesucht, weil ich Tiere liebe. Zu sehen, wie sichergestellte und beschlagnahmte Tiere, die aus schlechten Verhältnissen kommen, langsam "auftauen" und wieder oder überhaupt Vertrauen fassen, gibt mir den Ansporn.

Man muss als Tierpflegerin eine gute Beobachtungsgabe haben und im Umgang mit Lebewesen immer besonders achtsam und aufmerksam sein und gleichzeitig auf viele Dinge achten.

Was hast Du Dir anders vorgestellt, bevor Du Deine Lehre angefangen hast:

Ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass wir teilweise sehr schwere körperliche Arbeit vollbringen. Aber, das hält uns auch fit :o)

Anmerkung von Linda Christof, Leiterin des Tierschutzhofes Geißblatt, Ausbilderin für den Beruf zum/zur Tierpfleger*in und Prüferin an der Handelskammer in Hannover (Niedersachsen): „Der Beruf Tierpfleger*in war früher ein reiner Männerberuf, heute erlernen den Beruf 80-90% Frauen. Die körperliche Arbeit hierbei hat sich nicht verändert, es wird nur zusätzlich - zum Glück! - viel mehr Fachwissen vermittelt“.

Gut sollte man auch in Mathe sein. Es wird viel berechnet, z.B. der Futterbedarf für die Tiere oder Mischmengen an Desinfektionslösungen. Spannend und sehr umfangreich wird es bei dem Thema Krankheiten und die Übertragungswege. Wir müssen diese kennen um schnell reagieren zu können und eine Ausbreitung zu verhindern. Natürlich lernen wir das in der Schule und auf dem Hof. Genauso wie ein umfangreiches Wissen über Anatomie und Physiologie, Gesetze, Artenschutz, Hygiene, Reinigung und Desinfektion. So ist z.B. nicht jede Verunreinigung mit dem gleichen Mittel zu entfernen. Harnstein z.B. mit sauren Reinigern, Eiweiß mit kaltem Wasser und Tensiden, Fett mit warmem Wasser und Tensiden...... Und für die Vielzahl an Krankheitserregern gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Desinfektionsmitteln. Man muss lernen, wie man sich schnell einen Überblick verschafft und sich für das sinnvollste Mittel entscheidet, dabei ordentlich den Erreger zu bekämpfen aber möglichst wenig schädlich für die Tiere.

Danke Katrin für die Informationen, Deine Offenheit und Begeisterung!
 
 
Unser Tierschutzpartner in Warpe (Niedersachsen)
 

TERRA MATER und seine Tierschutzpartner

Aktiver Tierschutz bundesweit

Wir retten, versorgen, vermitteln und wildern wieder aus. Jährlich bis zu 1.500 Tiere in unserer Tierauffangstation in Lustadt und mehr als 10.000 Tiere in und über unser bundesweites Tierschutz-Netzwerk. Außerdem versorgen wir rund 130 Reptilien, die als Dauergäste in unserer Reptilienauffangstation in Graben-Neudorf und bis zu 200 Tiere zurzeit in unserer Tierauffangstation in Lustadt.

Uns ist die Aufklärung wichtig: Wie geht artgerechte Tierhaltung und was fördert das Wohlbefinden der Tiere? Wir unterstützen unsere Partnerstationen finanziell und auch bei der Ausbildung von professionellen Tierpfleger*innen.

Unser Verein finanziert sich ausschließlich über die Beiträge der Mitglieder sowie durch Spenden. Wir sind eine gemeinnützige, unabhängige Tierschutz-Organisation. Wir erhalten keine öffentlichen Zuschüsse und sind daher auf Spenden engagierter Menschen angewiesen.

Melissa Schröder, staatlich geprüfte Tierpflegerin

Melissa, nach Deiner Ausbildung bist Du nun staatlich geprüfte Tierpflegerin auf dem Geißblatthof, was fasziniert Dich an diesem Beruf?

Es ist vor allem der Umgang mit sehr vielen unterschiedlichen Tierarten, auch Reptilien, Vögeln und Großtieren. Tiere mit unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten. Das Erkennen von Problemen und mit dem erlernten und erprobten Wissen neue Lösungen zu finden macht den Beruf spannend und füllt mich aus. Darüber hinaus lerne ich immer wieder Neues dazu und kann mich in diesem Beruf in verschiedene Richtungen weiterentwickeln. Einige medizinische Behandlungen darf ich bereits nach Unterweisung selbst durchführen. Vor allem wichtig, da sehr viele Tiere erst einmal in Quarantäne kommen oder mit unklarem Gesundheitsstatus bei uns eintreffen.

Das umfangreiche Wissen über Krankheiten und Hygiene hilft uns dabei sehr den Gesundheitszustand und die Krankheitsmerkmale zuverlässig einzuschätzen und zu erkennen. Dazu zählt auch die tägliche Beurteilung der möglichen körperlichen Symptome, Kot und Urin der Tiere sowie der Check beim täglichen Saubermachen der Unterkunft der Tiere.

Mir liegt die praktische Arbeit, auch wenn sie mich zum Teil wirklich an meine körperliche Grenze bringt. Selbstverständlich gehört auch viel „Bürokram“ zu meinem Beruf.

Mit verängstigten, verwahrlosten oder aggressiven Tiere umzugehen und sie wieder zu sozialisieren nimmt einen großen Teil meiner Arbeit ein. Das ist es auch, was mich täglich bestätigt, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe. Man muss jedes einzelne Tier gut kennen um Veränderungen sofort erkennen, eine gute Beobachtungsgabe haben und diese täglich schulen. Als Tierpflegerin trage ich viel Verantwortung für die Tiere, für die neuen Halter und auch für meine Kollegen. Hier z.B. beim Fixieren von verschiedenen Tierarten während einer tierärztlichen Behandlung. Dabei gilt: wer das Tier festhält ist für die Sicherheit der beteiligten Kollegen und des Tierarztes verantwortlich!

Die Betreuung und Pflege der Tiere beinhalten Meilensteine auf dem Weg zur Vermittlung. Z.B. bei Vertrauensübungen mit den Hunden ist es wichtig zu erkennen, wie weit ich gehen darf und was ich mit dem Hund machen kann. Ich muss sie einschätzen lernen um zu beurteilen wann es soweit ist, dass sie vermittelt werden können. Und vor allem müssen wir dann aufgrund unserer Beurteilung ein geeignetes Zuhause finden.

Und wenn dann ein Tier am Ende des Tages an die richtige Stelle vermittelt ist, sind wir glücklich, dass wir eine Tierseele gerettet haben. Diese Erfolgserlebnisse spornen einen an und machen einen zufrieden.

Anmerkung dazu von Linda Christopf: „Man muss man viel über das normale Sozialverhalten und das Ausdrucksverhalten der Tiere wissen, sehr gut beobachten und eine zuverlässige Intuition entwickeln, Ideen haben, wie man ein Training angehen kann und die Risikobereitschaft mitbringen, auch mal die ein oder andere Verletzung zu kassieren. Ganz besonders Melissa ist darin großartig!

Das überwiegend selbständige Arbeiten bringt mir viel Spaß und auch, dass ich mit vielen Personen mit unterschiedlichen Charakteren arbeite und natürlich auch klarkommen muss. Nicht selten müssen wir auch schwierige Situationen meistern, dabei ruhig bleiben, aber auch Mitgefühl zulassen und zeigen. Ohne Empathie kann man diesen Job nicht machen.

Was hast Du Dir anders vorgestellt, bevor Du Deine Lehre begonnen hast?

Ich war wirklich überrascht, dass wir so viel Theorie, bis ins kleinste Detail, in der Berufsschule gelernt haben. Damit hatte ich nicht gerechnet, bin aber heute sehr froh darüber so ein Wissen zu haben.

Ich hatte außerdem gedacht, dass ich für gute und vor allem harte Arbeit mehr Geld bekomme. Und noch viel wichtiger wäre, dass man mehr Zeit für jedes einzelne Tier hätte.

Bei der Berufswahl zum Tierpfleger sollte man wirklich bedenken, dass man nicht nur emotional belastbar sein muss sondern, dass es auch ein manchmal gefährlicher Job ist. Viele Tiere kommen in einem sehr schlechten Zustand ins Tierheim oder auf einen Tierschutzhof. Man hat immer mal Bisse, Kratzer oder Schnittwunden, es gibt große Tiere, die einen verletzen können. Schafe, die durch einen durchlaufen oder Pferde, die sich mit Körperkraft einer Behandlung entziehen wollen. Man braucht Durchsetzungsvermögen bei den Tieren, aber auch bei den Menschen, die ins Tierheim kommen, wodurch man natürlich die Fähigkeit erwirbt souveräner aufzutreten und das kann man sowieso immer gebrauchen!

Die Freizeit ist nicht wirklich geregelt, wie in den meisten anderen Berufen. Tiere müssen selbstverständlich auch an Wochenenden und Feiertagen versorgt und betreut werden.

 

Vielen Dank Melissa für Deine ausführliche Beschreibung!  TM wünscht weiterhin viel Freude und Begeisterung für den Job und die Tiere.

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