Zu früh gerettet

Was tun, wenn ich einen vermeintlich verletzten Vogel am Boden sehe? Ist er verletzt? Oder ist es einfach nur ein Jungvogel, der etwas erstarrt schaut und darauf wartet gefüttert zu werden?

Wir von TERRA MATER und unsere Partnerstationen bekommen gerade in dieser Zeit immer wieder Anrufe von besorgten Tierfreunden, mit der Frage: Bei mir im Garten hockt ein Jungvogel im Gras, kann wohl nicht fliegen. Soll ich ihn aufsammeln und zum Tierheim oder Tierarzt bringen?

Diana Erdmann von unserer Partnerstation Wildtierhilfe Lüneburger Heide e.V. gibt uns hierzu folgenden Tipp: „Die meisten Singvögel, Greifvögel und Eulen verlassen ihr Nest bevor sie fliegen können, da das Nest zu eng geworden ist. Die Eltern sind meist in ihrer Nähe und versorgen die im Umfeld des Nestes verteilten Jungtiere weiter. Sollten Sie in der Jungtierzeit (März – August) einen flugunfähigen Jungvogel beobachten, der am Boden sitzt, handelt es sich meist um einen sogenannten Ästling – einen befiederten noch flugunfähigen Jungvogel. Beobachten Sie ihn aus der Distanz, ob die Elternvögel ihn versorgen. Das kann über eine Stunde dauern. Wenn der Jungvogel am Boden in Gefahr sein sollte, können Sie ihn einfach auf einen Ast oder ins Gebüsch setzen. Eltern und Jungvögel haben meist Rufkontakt und finden, wenn sie ungestört sind, wieder zu einander.“

Und weiter dazu: „90% der jungen Singvögel werden aus Unkenntnis eingesammelt und dadurch ihren Eltern weggenommen. Nicht richtig ist auch: Ein Jungvogel, der angefasst worden ist, wird nicht mehr von seinen Eltern angenommen – falsch!!!! Sogar aus dem Nest gefallene Jungvögel können ins Nest zurückgesetzt werden. Junge Vögel können aus dem Gefahrenbereich aufgenommen und ins Gebüsch oder auf einen Ast, nahe der Fundstelle, gesetzt werden. Die Vogelfamilie steht in Rufkontakt und findet sich wieder. Bitte immer erst beobachten, ob die Jungtiere wirklich verlassen wurden. Eine Handaufzucht sollte immer die letzte Möglichkeit sein dem Vogel zu helfen“

Hände weg von Jungtieren!

Auch in diesem Frühjahr wurden bereits die ersten Jungtiere abgegeben. Falsche Fürsorge des Menschen wird oft sogar zur potenziellen Gefahr, denn nachdem die ursprünglich geruchsneutralen jungen Hasen von Menschen angefasst wurden, können sie von Fressfeinden gewittert werden.

Dies sollte aber unbedingt vermieden werden – die Tiere wurden nicht verstoßen. Das Muttertier kommt nur für wenige Minuten in der Nacht vorbei, um seine Jungen zu säugen. Den Rest der Zeit sind die Jungen auf sich gestellt. Durch ihr ruhiges Verhalten und ihre Fellfarbe sind sie ausreichend getarnt. Auch dass ein Jungtier allein ohne seine Geschwister in einer muldenförmigen sogenannten "Sasse" sitzt, ist vollkommen normal. Oftmals trennen sich die Kleinen wenige Tage nach der Geburt und verteilen sich auf mehrere Sassen, um so die Überlebenschancen zu erhöhen.

Generell gilt also: „Hände weg von Jungtieren!“ Feldhasenbabys sind nur dann auf menschliche Hilfe angewiesen, wenn sie von einer Katze, einem Hund oder von Krähen attackiert werden. In diesem Fall ist immer eine tierärztliche Versorgung notwendig. Bitte versuchen Sie keinesfalls auf eigene Faust ein Tier zu füttern oder aufzuziehen! Sie setzen damit das Leben des Tieres aufs Spiel. Die Aufzucht von Feldhasen gehört nur in Expertenhände!

Sollten Finder unsicher sein, ob ein junger Hase Hilfe benötigt, können sie den zuständigen Jäger anrufen und informieren.

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