Voller Einsatz für den Artenschutz

Azubi Lisa – Falkenhof Potsdam

Schreiadleraufzucht für die Auswilderung

Warum und wie geht das?

"Bevor ich über die Schreiadler berichte möchte ich mich einmal vorstellen. Mein Name ist Lisa und ich absolviere meine Tierpfleger Ausbildung im Bereich Tierheim und Tierpension im Wald-Jagd-Naturerlebnis e.V.. Derzeit bin ich im 1. Lehrjahr, aber ich machte bereits mein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf dem Falkenhof des Vereines. Nun aber zu den Schreiadlern.

Der Schreiadler ist vor allem in Ost- und Mitteleuropa verbreitet. In Deutschland ist er in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt beheimatet. Bei uns in Deutschland ist er vom Aussterben bedroht. Das liegt nicht nur an den wenigen Brutpaaren, sondern auch in ihrer Genetik. Schreiadler legen meist zwei Eier in einem, mit grünen Zweigen ausgepolsterten Horst. Sobald die Küken schlüpfen kommt die Genetik ins Spiel, denn sie betreiben Kainismus. Das heißt, dass das erstgeschlüpfte Küken, also der Kain, das zweitgeschlüpfte den Abel tötet. Somit steigen die Zahlen der Schreiadler nicht an, sondern sie nehmen eher ab. Und da kommen wir ins Spiel.

Seit 2012 werden uns Anfang Juni die zweiten Eier von Brandenburg und Polen gebracht und behutsam in den Inkubator gepackt, dort werden sie täglich gewogen, um zu schauen, ob das Küken im Ei auch wirklich stetig wächst. Außerdem werden die Eier im Inkubator gedreht, so wie es die Vögel in freier Wildbahn auch machen würden, damit das Küken nicht an einer Seite festklebt. Die Brutdauer beträgt 38 bis 41 Tage. Dann beginnt für die Kleinen der erste schwere Kampf, der Schlupf. Dieser kann bis zu 48 Stunden dauern.

Sobald sie geschlüpft sind kommen sie in einen künstlichen Horst, der mit grünen Nadelzweigen ausgelegt ist und täglich gereinigt wird. Dann dürfen sie sich unter eine Wärmelampe vom anstrengenden Schlupf erholen. Sobald sie sich erholt haben wird der erste große Hunger gestillt."

Verkleidet für den Artenschutz

Um die Prägung auf den Menschen zu vermeiden nähern sich die Potsdamer Mitarbeiter für Fütterung und Pflege der Adlerküken ausschließlich mit Vogelmaske und -kostüm. Nach acht Wochen sind die flaumigen Federbälle dann groß genug, um in die Heckingstation in der Uckermark umgesiedelt und schließlich ausgewildert zu werden. Ein großer Aufwand und doch so notwendig für den Artenschutz.

"Bevor wir jedoch zu den Küken gehen verkleiden wir uns als Adler, damit sie uns als Mensch nicht erkennen und nicht fehlgeprägt werden. Dann kann es mit dem Füttern losgehen. Am Anfang mit zerkleinerten Mäusen, jedoch ohne Fell und große Knochenstücke und später werden die Stücke immer größer. Vor und nach jeder Fütterung werden sie gewogen. Das ist wichtig, damit man bei bis zu 18 Küken den Überblick nicht verliert, wer wieviel wiegt und kröpft (frisst). Die Gewichte der einzelnen Vögel werden in einem Buch eingetragen und jedes Küken hat eine andere Bezeichnung.

Sobald die kleinen ihre Körperwärme selbst halten können ziehen sie in den zweiten Aufzuchtsraum. Hier sehen die kleinen Schreiadler ihrem Gegenüber platzierten, sind aber vom Nachbarn durch Trennwände voreinander geschützt.

Sobald sie tagsüber in die Voliere kommen sehen sie sich durchs Gitter und bekommen auch mehr Sonnenlicht ab. Nun kommen auch die ersten Federn durch und sie haben nicht mehr nur Daunenfedern. So langsam bekommen sie ganze Futtertiere, die sie sich selbst zerkleinern müssen. Ab jetzt stehen ihnen auch Brenten, mit Wasser gefüllt, zum Trinken und Baden, zur Verfügung. So langsam werden sie immer neugieriger und aktiver und erkunden ihre Umgebung. Nun bleiben sie Tag und Nacht in der Voliere.

Über den gesamten Zeitraum schauen wir immer schon, welche Küken sich miteinander vertragen könnten, denn ein paar Wochen vor dem Auszug in die Heckingstation, mit ca. 8 Wochen, beginnt die Sozialisierungsphase. Am Anfang erst ein paar Minuten unter Beaufsichtigung und später dann auch den ganzen Tag. Nicht jedes Küken verträgt sich mit jedem, deshalb muss man sie genau beobachten.

Nun sind die ersten 8 Wochen vergangen und es wird Zeit, die einst kleinen Küken in die Heckingstation reisen zu lassen, von der sie dann in die große Welt entlassen werden. Jedoch werden vor dem Auswildern ein paar Adler besendert und markiert, um zu sehen, ob sie den Weg in den Süden überleben und wo sie sich selbst einen Partner suchen und eigenen Nachwuchs zeugen.

Damit haben wir unsere Arbeit getan und freuen uns auf die kommenden Küken."

Aufzucht von Schreiadlerküken - unsere Partnerstation in Potsdam

Ein Prozedere, das sich in Potsdam Jahr für Jahr wiederholt und den Mitarbeiter*innen des Wald- Jagd- Naturerlebnis e. V. einiges abverlangt. Doch warum eigentlich? Der ausschließlich in Europa lebende Schreiadler ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Die Ursachen: Durch die zunehmende Bebauung von Grünflächen müssen die Tiere immer weitere Wege zurücklegen, um Nahrung zu finden. Auch führt die bedenkenlose Waldrodung zugunsten von z. B. Windradanlagen dazu, dass immer weniger geschützte Brutstätten zur Verfügung stehen. Und nicht selten scheucht zudem Unruhe durch z. B. laute Forstarbeiten die Vogeleltern auf, sodass der Weg frei ist für Fressfeinde wie den Baummarder oder den Kolkraben, die ungehindert das Gelege plündern.

Um den Rückgang der Bestände aufzuhalten, entnehmen Naturschützer jedes Jahr die Brutreserven bzw. die zweitgeborenen Jungtiere aus den Horsten. „Der Fachbegriff dafür, dass Schreiadler ihre jüngeren Geschwister töten, ist Kainismus“, erklärt Stationsleiterin Ilka Simm-Schönholz. „Ohne menschliches Eingreifen würden diese Jungtiere, die dann zu uns gebracht werden, höchstens drei Tage überleben.“

 

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TERRA MATER und seine Tierschutzpartner - aktiver Tierschutz bundesweit
Wir retten, versorgen, vermitteln und wildern wieder aus. Täglich versorgen wir bis zu 500 Tiere auf unseren Stationen. Jährlich nehmen wir bis zu 1.000 Tiere auf unseren eigenen Tierauffangstationen in Lustadt, Graben-Neudorf und Guben auf und mehr als 10.000 Tiere in und über unser bundesweites Tierschutz-Netzwerk.
Uns ist die Aufklärung wichtig: Wie geht artgerechte Tierhaltung und was fördert das Wohlbefinden der Tiere? Wir unterstützen unsere Partnerstationen finanziell und auch bei der Ausbildung von professionellen Tierpfleger*innen. Die Ausbildung zum/zur Tierpfleger*innen dauert in der Regel drei Jahre. Gelernt wird abwechselnd in der Berufsschule und im Betrieb. Die TERRA MATER Azubis besuchen die verschiedenen TM-Partnerstationen, da die unterschiedlichen Tierbestände ihre Ausbildung noch fundierter machen. Mit Herz dabei und mit Liebe zum Tier können ausgebildete Tierpfleger*innen durchaus die Karriereleiter erklimmen. Ein Tierpfleger kann nach 6jähriger Berufserfahrung seinen Meister machen.

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