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Verwahrlost....

Teil 1


Manchmal glaubt man nicht, dass es in der Bundesrepublik Deutschland solche Zustände gibt: Ein abbruchreifes Haus an einer Dorfstraße, nur wenige Autominuten von Meyenburg (Mecklenburg-Vorpommern) entfernt. Dahinter ein verwahrloster Bauernhof, Stallungen unter einem Ziegeldach, dessen freiwilliger Einsturz unmittelbar bevorsteht,
ein Hof mit Wanderdünen aus Mist und Matsch, flankiert von offenen Holzverschlägen voller Müll und Gerümpel und überall dazwischen: Tiere, Tiere, Tiere . . .
Die Tür des Wohnhauses lässt sich nur so knapp öffnen, dass man gerade noch den Kopf hindurch stecken kann, um dem unbeschreiblichen Gestank zu begegnen, der dem ungebetenen Besucher wie ein Fausthieb ins Gesicht schlägt. Weiteres Öffnen der Tür wird von dem Müll verhindert, der wie hingeschüttet von innen gegen die Haustür drückt. Wohnen hier Menschen?
Es ist Montag, der 27. September 2004, elf Uhr vormittags. Das Veterinäramt des Landkreises Prignitz hat nach einem Jahr mühseliger Instanzenarbeit endlich eine Beschlagnahme der Tiere durchsetzen können. Begleitet von zwei Polizeiwagen sind wir mit insgesamt drei Pferdehängern vorgefahren. Auf der einzigen, kurzen Straße des kleinen Dorfes sind die Anlieger vor die Türen getreten. Sie wissen, dass heute ein unerträglicher Missstand beendet wird. Über die Straße hinweg gibt es Beifall und aufmunternde Rufe für unsere Leute.
Inzwischen lassen sich auch die beiden Tierhalter blicken - Frau U. und Herr K.
Aus der Tiefe der Müllhaufen tauchen sie plötzlich am Hoftor auf. Zunächst möchte Herr K. von einer Beschlagnahme natürlich nichts wissen. "Die Tiere bleiben hier", versetzt er trotzig, tut als sei er über den Vorgang gar nicht informiert und müsse seinen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.
Aber die anwesende Veterinärin Frau Klückmann nimmt ihm sehr schnell den Wind aus den Segeln, in dem sie ihm den Stand des Rechtsverfahrens minutiös vorhält, und das entschlossene Auftreten der Polizei lässt seine weiteren Einwände schnell wie ein mattes Rückzugsgefecht erscheinen. Nach einem viertelstündigen Disput ist K. bereit, die Tiere auszuhändigen. "Sie bringen uns zunächst die Hunde einzeln hier ans Tor!", ordnet der Polizist an. 9 Hunde hatte K. in dem Wohnhaus ohne Aufsicht gehalten. Seit Monaten verrichteten die Tiere ihre Notdurft dort in den verschlossenen Räumen. Alle sind von Krankheiten befallen. Wir müssen damit rechnen, dass die Tiere aggressiv sind und wollen Bissverletzungen vermeiden.
Während unsere Tierschützer nun nacheinander 8 Hunde in die Gitterboxen sperren (ein Tier durfte aus Rechtsgründen nicht beschlagnahmt werden), versucht Frau U. Die Pferde und Ziegen von der Koppel in die freie Landschaft zu treiben. Gerade noch rechtzeitig wird es bemerkt, und es gelingt den Polizisten und Tierschützern, die Tiere wieder in die Koppel zurück zu treiben.
So kommt schließlich auch die Verladung der Huftiere in Gang. Am Ende sind es 4 Pferde, 1 Esel, 3 Ziegen, 8 Hunde und 2 Kaninchen, die wir mitnehmen. Das Geflügel müssen wir zunächst zurück lassen; Es soll an einem anderen Tag nachgeholt werden.

Zwei der Pferde kommen auf den Pferdehof des Reit- und Fahrvereins Katzenow (Nordvorpommern), die anderen Tiere kommen zunächst auf den Tierschutzhof unseres Einsatzleiters Thorsten Neumann. Es ist 13.00 Uhr, der Einsatz ist beendet, aber für unsere Leute wird es noch ein langer Tag. Eine stundenlange Fahrt liegt vor ihnen, und wenn sie dann angekommen sind, müssen die Tiere noch abgeladen, untergebracht und versorgt werden.

     

Vor dem Einsatz: Die Kollegen aus Katzenow warten mit der Polizei noch auf die Ankunft der Wagen aus Hamburg
 


Der Hof - ein einzige Müllhalde
Gäste in kleine Gruppen ein
     

Die "Tierhalter" wollen zunächst die
Herausgabe der Tiere verweigern

Gespenstisch: In diesem Verschlag
soll das Paar auf Stroh gewohnt haben

Der kleine Esel auf dem Weg in die Freiheit. Vier Wochen lang war er so schwach, dass er auf der Seite lag und sich nicht mehr erheben konnte. Der herbeigerufene Tierarzt wurde von den "Tierhaltern" vom Hof gejagt


Grauenvoll: Die Hufe des kleinen Esels.
Das arme Tier konnte kaum gehen.
Die Hufe wurde inzwischen von uns
bereits wieder hergestellt


Das "Haus" von Innen...

Im Haus stehen Möbel zwischen einer
Lavamasse aus getrocknetem Hundekot

Lag so in der Gegend herum: Kadaver einer toten Ente

Die Hunde werden zum Transport in Gitterboxen
verfrachtet. Alle Tiere waren mit Milben infiziert

Hinter diesen Fenstern hausten neun Hunde


Abtransport der Pferde
Teil 2
Auf der Rückfahrt führen wir uns die frischen Erlebnisse noch einmal vor Augen - der völlig heruntergekommene Hof, das Wohnhaus voller Müll und Hundekot, das seltsame Paar Frau U. und Herr K., es heißt, Frau U. würde sozial betreut. Und wir kommen ins Grübeln. Was geht da vor? Warum leben Menschen so? Warum halten sie überhaupt Tiere? Wie kann es angehen, dass eine Frau, die unter amtlicher Betreuung steht, in solche Umstände abgleiten kann? Was sind das für "Betreuer"?
Thorsten Neumann erzählt uns eine Geschichte, die sich im vorletzten Winter auf diesem Hof abgespielt haben soll: Zwei Hängebauchschweine waren in der eiskalten Zeit mit ihren Vorderbeinen in dem wässerigen Matsch eingefroren. Um sie zu befreien,
hatte der Herr K. die Tiere mit einem Brenner losgeeist, ohne sich dabei darum zu scheren, dass er den Schweinen Brandwunden an den Beinen zufügt. Als sich aus den Verletzungen schließlich Wundbrand entwickelte, schlachtete er die Hängebauchschweine und verfütterte sie an die Hunde. Das ist das Problem bei tierquälerischen Tierhaltungen: Jedermann darf unabhängig von seiner Charakterlichen oder fachlichen Eignung Tiere halten, und da gehen Achtlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Dummheit oft bunt durcheinander, und die Veterinärämter, die eigentlich der TÜV der Tierhalter sein sollten, haben nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Während ein verkehrsunsicheres Auto auf der Stelle stillgelegt wird, ist es meist ein langer Weg, bevor ein Amt eine tierquälerische Tierhaltung zwangsweise beenden kann.


 
 
  

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