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IGEL in NOT?

Nicht jeder kleine Igel, dem Sie begegnen braucht Ihre Hilfe. Prüfen Sie genau, bevor Sie ihn mitnehmen. Ihre Entscheidung kann dem kleinen Insektenfresser das Leben kosten.


Die Apfelernte ist vorbei, der Herbst färbt überall die Blätter bunt, und die ersten Nachtfröste kündigen sich an. Am Himmel ziehen Gänse und Kraniche gen Afrika während unsere heimische Tierwelt sich auf den Winter vorbereitet.
Und nun ist es wieder soweit: überall im Land werden junge Igel "gerettet". Spaziergänger und Gartenbesitzer finden die kleinen Stacheltiere und geben sie zu hunderten bei Terra Mater und anderen Tierhilfsstationen ab.

Das ist zwar gutgemeint aber völlig falsch. "Ja es kann sogar lebensbedrohlich für die kleinen stacheligen Tierchen sein", sagt der Terra-Mater-Experte. Spätgeborene Igel sind im Herbst noch klein. Sie gehen später in den Winterschlaf und schlafen oft nicht durch, wachen wieder auf und wandern auf Futtersuche herum. Das ist ganz normal."

Erst wenn die Schneedecke geschlossen ist und der Boden hart gefroren und man dann noch einen kleinen Igel (unter 250 Gramm) antrifft muss sofort gehandelt werden. Und natürlich immer, egal zu welcher Jahreszeit, wenn einem ein Igel (jung oder alt) begegnet, der sichtlich verletzt oder krank und abgemagert ist, vielleicht sogar von Maden und anderem Ungeziefer befallen. Dann gilt: sofort zum Tierarzt bringen.

In allen anderen Fällen sollte man folgendes tun:

- Ist der kleine Igel gesund und quirlig, bitte nicht anfassen.
Lassen Sie ihn wo er ist. Er ist in seinem Revier unterwegs, kennt seine Futterstellen und hat mit Sicherheit irgendwo in der Nähe sein Nest.

- Ist der kleine Igel im Herbst schwerer als 250 Gramm, ist er OK.
Er ist ein Spätgeborener und wird noch ein paar Wochen Futter suchen und sich Winterfett anfressen. Sie können ihn dabei unterstützen. Stellen Sie einmal am Tag einen flachen Teller mit wahlweise süßem Obst, ein paar Löffeln Katzenfutter, Nüssen oder einem rohen Ei hin. Sammeln Sie Schnecken und Larven - vielleicht aus ihrem Salat. Bitte auf keinen Fall öfter als einmal am Tag füttern, denn dann wird er faul, sucht sich nichts mehr und wird unselbstständig. Milch ist verboten!!! Davon bekommt der kleine Igel gefährlichen Durchfall. Eine Schale Wasser hingegen wird er ihnen danken. Doch Vorsicht! Keine mit einem zu hohen Rand verwenden.
Und wichtig ist, die Gefäße jedes Mal sauber spülen bevor sie erneut füttern.

- Ist der kleine Igel unter Ihrer Obhut, dann lassen Sie ihn draußen.
Nehmen sie Igel nie mit ins Haus. Da ist es viel zu warm und der Igel vergisst seinen Winterschlaf, den er aber dringend braucht. Er könnte sonst sterben. Auch füttern, bitte nur draußen im Garten. Er muss ja noch lernen wie er sein Futter findet. Wenn er das nicht lernt, wird er nach seiner Freilassung wahrscheinlich eingehen. Studien aus England haben gezeigt, dass die Überlebenschance von kleinen Igeln sehr viel besser ist, wenn sie draußen statt drinnen versorgt werden. Achten Sie dabei aber immer darauf, dass Ihre Hunde oder Katzen den Igel in Ruhe lassen und vor allem beim füttern nicht an ihn herankommen. Eventuell eine Kiste bauen mit einem verwinkelten Gang zum Futter und einer 10 mal 10 Zentimeter großen Öffnung.

- Ist der kleine Igel aufgepäppelt, bringen Sie ihn dahin zurück wo er herkam.
Wenn Sie einen kleinen Igel, oder auch einen großen, finden und entscheiden, dass Sie ihn aus gutem Grund (zu klein, verletzt, krank) mitnehmen müssen, dann merken Sie sich die Stelle. Denn dort sollte er nach erfolgreicher Behandlung - etwa durch den Tierarzt -, wieder ausgesetzt werden.


Zusammenfassung: Nehmen Sie nicht jeden Igel mit den Sie finden. Ist er gesund lassen sie ihn seiner Wege gehen. Erklären Sie Ihren Kindern, warum sie Igel in Ruhe lassen sollen. Halten Sie Hunde und Katzen fern. Wenn Sie zufüttern, dann bitte draußen und bitte niemals Milch.


Eine kleine Terra Mater Igel-Kunde

Igel zählen zu den erdgeschichtlich ältesten noch existierenden Säugetieren. In Deutschland kommt hauptsächlich der Braunbrust oder Westigel vor. Sein wissenschaftlicher Name ist Erinaceus europaeus Linné.

Igel können circa sieben Jahre alt werden. Meist jedoch liegt ihre durchschnittliche Lebenserwartung nur bei zwei bis vier Jahren. Grund dafür ist die hohe Jungensterblichkeit. Vor allem aber die vom Menschen gemachten Gefahren, wie Autoverkehr, Mähmaschinen, Schwimmbäder, Laubsauger, Spritzmittel, Drahtzäune, Garten- und Osterfeuer e.t.c.. Bis zu 500.000 Igel werden jedes Jahr überfahren und viele dadurch verwaiste Jungtiere sterben.

Erwachsene Igel sind zwischen 24 bis 28 cm lang und wiegen zwischen 800 und 1500 Gramm. Weibchen sind meist leichter als Männchen. Ein ausgewachsener Igel trägt bis zu 8000 Stacheln, die er bei Gefahr aufrichtet, während er sich einrollt. Sie haben einen ausgezeichneten Geruchssinn mit dem sie ihre Nahrung und ihre Artgenossen finden. Sie haben ein sehr gutes Gehör, das weit in den Ultraschallbereich reicht. Ihr Sehvermögen hingegen ist eher schlecht. Droht Gefahr fauchen und puffen Igel, empfinden sie Schmerzen, können Igel sehr laut kreischen.

Igel bauen sich Nester in Hecken, im Gebüsch unter Holzstapeln, in Reisig- und Blätterhaufen und unter großen Steinen. Heutzutage leben Igel fast ausschließlich in der Nähe von Menschen weil sie da Nahrung und Unterschlupf finden. Der Aktionsradius eines Männchens liegt auf dem Land oft bei mehr als 100 Hektar, Weibchen halten sich meist in einem Gebiet von 30 Hektar auf.

Igel sind nachtaktiv. Sie fressen vor allem Insekten, aber auch Käfer und Larven, auch die von Nachtschmetterlinge und Schnaken. Außerdem lieben sie Regenwürmer, Schnecken, Spinnen, Hundert- und Tausendfüßler e.t.c. Ab und an gehen sie auch an Aas. Gemüse und anderes Grünzeug mögen sie nicht, Nüsse und süßes Obst hingegen beknabbern sie gern.

Igel bekommen einmal im Jahr von Juli bis September, nach einer Tragzeit von 35 Tagen, vier bis sieben Junge. In sehr warmen Gegenden (z.B. Rheinebene) kann auch ein zweiter Wurf möglich sein. Die Babys sind etwa 12 bis 25 Gramm schwer und werden mit geschlossenen Augen und Ohren geboren. Sie haben aber schon etwa 100 weiße, weiche in die Rückenhaut eingebettete Stacheln. Im Alter von 14 Tagen beginnen sich Augen und Ohren zu öffnen, und nach drei Wochen kommen die ersten Zähne. Dann verlassen die Jungen zum ersten Mal ihr Nest und suchen selbständig nach Nahrung. Anfangs machen sie natürlich nur wenig Beute, deshalb säugt sie die Mutter bis zur 6. Lebenswoche. Die Mutter nimmt sie aber nicht zur Nahrungssuche mit oder zeigt ihnen nicht was sie fressen können. Die Männchen halten sich von der Aufzucht der Jungen fern.

Die nahrungsarmen Monate überbrückt der Igel im Winterschlaf. Dazu fressen sie sich im Sommer und im Herbst ein Fettpolster an, von dem sie im Schlaf zehren. Sie bauen sich ein warmes Nest aus Blättern und Reisig in das sie bei erstem anhaltendem Frost kriechen. Ihre Körperfunktionen werden auf ein Minimum heruntergefahren, das Herz schlägt nur noch acht Mal pro Minute statt 180 Mal. Statt 50 Mal in der Minute, atmen sie nur noch drei bis vier Mal und ihre Körpertemperatur sinkt von 36 auf fünf Grad, bleibt aber immer höher als die der Umgebung. So können sie bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen. Während der Schlafzeit verlieren sie 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts.

Die Feinde des Igels sind Uhu, Fuchs und Dachs. Hunde können erwachsene Igel, Katzen die Igeljungen töten. Der größte Feind der Igel ist und bleibt aber der Mensch durch seine vielfältigen Eingriffe in die Natur.

In einigen europäischen Ländern steht der Igel bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. In Deutschland ist er durch das Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt.

Durch Umsicht und die richtigen Kenntnisse können Sie dazu beitragen, dem Igel bei uns das Überleben zu sichern. Aber Bitte: Nehmen sie keinen Igel mit, der nicht sichtlich Hilfe braucht. Lassen Sie ihn in seinem zu Hause. Falsch verstandene Tierliebe kann tödlich sein.

 


 
 
  

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