Vögel sind auf der Suche nach Fischen, doch die sind alle tot. Unbekannte öffneten Schleuse - See leer gelaufen.
VON ERIK TRÜMPLER - Hamburger Morgenpost
Den Reihern am Bramfelder See droht der Tod. Unbekannte öffneten Mitte Januar die Schleuse, der See lief leer. 20.000 Fische, die Nahrung der Reiher, starben, Jetzt ist Hamburgs größte Reiherkolonnie in Gefahr.
Dort, wo die Graureiher in den vergangenen Jahren nach Belieben Fische fangen konnten, liegt alles brach. Den Spaziergängern bietet sich ein trauriges Bild. Auf der schneebedeckten Fläche stehen die abgemagerten Reiher herum - als seien sie von der Situation völlig überrascht worden. 20 Paare haben hier ihr Zuhause. Im März und April soll eigentlich die Brutzeit beginnen. Ob sie die noch bis zum Ende erleben, ist fraglich. "Die Tiere müssen nach dem harten Winter unbedingt zulegen, damit sie nicht verhungern. Zur Nahrungssuche sind sie auf Gewässer angewiesen", sagt NABU-Geschäftsführer Stephan Zirpel (43).
Ein Gewässer kann man den Bramfelder See nicht mehr nennen. Schnee, Eis und Schlamm sind von dem Naturparadies übrig geblieben. Dort wartet auf die Vögel nur noch der Tod.
Die Reiher sind in Bramfeld doppelt gestraft, tragen die Folgen des harten Winters und menschlicher Dummheit. "In so langen Frostperioden sterben jedes Jahr Tiere. Das gilt für alle fischfressenden Vögel", so Zirpel.
Steuert das Drama am Bramfelder See auf eine Katastrophe zu? Anwohner riefen bereits bei der MOPO an, fragten, wie sie den hungernden Tieren helfen können. Die bittere Antwort: gar nicht. "Man darf die Tiere aus veterinärmedizinischen Gründen nicht füttern", sagt NABU-Geschäftsführer Zirpel. Die Reiherkolonie bleibt ihrem Schicksal überlassen.
Fotostrecke: Das Reiher-Drama von Bramfeld

Bild und Text: Copyright HH-Morgenpost |