Wildkatze oder nicht?

Das ist die große Frage, um die sich zurzeit bei unserer Partnerstation in Soltau alles dreht...Anfang dieses Monats wurde in einem Wald im Hunsrück ein winziger Katzenwelpe gefunden, der laut schreiend neben seinem toten Geschwisterchen saß. Von der Mutter war weit und breit keine Spur zu sehen. Die Augen des Kätzchens waren noch geschlossen. Es war geschätzt ca. eine Woche alt und wog 120 Gramm – das ist nur wenig mehr als eine Tafel Schokolade!

Spaziergänger haben den hilflosen Winzling mitgenommen, und da der Verdacht bestand, dass es sich um eine Wildkatze handelt, wurde es in die Wildtierstation nach Soltau gebracht. Da die Wildtierhilfe Lüneburger Heide e.V. bisher nicht viel Erfahrung mit Wildkatzen hat, wurden verschiedene Experten befragt, die anhand von Fotos bestimmen sollten, ob es sich um eine Wild- oder Hauskatze handelt. Die Meinungen dazu waren zwiegespalten: Zwei Fachleute plädierten für Hauskatze, die anderen beiden sprachen sich für Wildkatze aus.

Um keine Risiko einzugehen, kam das Kätzchen erst einmal in Quarantäne, denn Wildkatzen sind sehr anfällig für Infektionskrankheiten. Die Aufzucht verlief bisher problemlos. Tatsächlich zeigt das Kleine alle Anzeichen, dass es sich tatsächlich um eine Wildkatze handelt: So hat das Fell die typische starke grau-schwarze Streifenzeichnung sowie den Aalstrich über der Wirbelsäule. Zudem wirken die breiten kurzen Pfoten groß und „prankenartig“. Wildkatzen geben ihr Abwehrverhalten auch nach längerer Zeit in Gefangenschaft nicht auf: Sie beißen, spucken und lassen sich nicht gern greifen – auch diesbezüglich beweist das Fundtier Ausdauer.Glücklicherweise ist die kleine Wildkatze inzwischen "über den Berg". Sie wiegt 400 g und wird bald in eine Spezialstation für Wildkatzen umziehen.

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