Vorsicht bei Gartenarbeiten

Foto: Erni / fotolia.com

Mit Abschluss der Jungtierzeit bekommen im Spätsommer die Igel alljährlich ihren Nachwuchs. Die jungen Stacheltiere werden meist erst im August nackt und blind geboren. Um bis zum einbrechenden Winter fit für den ersten Winterschlaf zu sein, müssen sie den Herbst über ordentlich an Gewicht zulegen. Sind die Igelkinder gesund und finden sie genug zu futtern, ist das jedoch meist kein Problem. Wildtiere sind schließlich für das Leben in freier Wildbahn geboren und können Winter und Wetter trotzen. Wichtig ist allerdings, dass sie in Ruhe groß werden können. Leider passiert es jedoch immer wieder, dass sie bei herbstlichen Gartenarbeiten gestört werden der Laubhaufen, in dem sie Zuflucht suchen, weggeräumt wird und sie dann erstmal auf der Suche nach einer neuen Bleibe herumirren. Igel sind genügsam. Unter einem Reisighaufen, einem geschützten Bereich, unter einem dichtem Busch, Brennholzstapel oder gar in einem alten Korb fühlen sie sich pudelwohl. Zu futtern finden sie beim feuchten Herbstwetter meist genug. Unter dem Laub tummelt sich ihre Leibspeise — Würmer, Käfer und Schnecken. Haben sie dann bis zum Wintereinbruch minimal 450 g auf den Rippen, sind sie in der Regel gut gewappnet für den Winterschlaf. Jungigel benötigen nur dann menschliche Hilfe, wenn sie verletzt oder krank sind. Durch Autounfälle, Hundebisse, Gartengeräten usw. werden leider gerade in dieser Jahreszeit unzählige Igel verletzt. Igelfreunde können die putzigen Allesfresser unterstützen, indem sie in ihrem Garten naturnah gestalten und Igelverstecke belassen oder eine Igelhütte aufstellen und frisches Wasser zum Trinken und etws Katzentrockenfutter zum Knabbern anbieten. Wichtig ist auch, dass die wanderfreudigen Stachelwesen die Zäune passieren können, kleine Durchlässe helfen dabei. "Wer einen kleinen Igel, der das Mindestgewicht vor Wintereinbruch noch nicht erreicht hat, bei sich überwintern lassen möchte, sollte darauf achten, dass der wilde Gast nicht zu warm gehalten wird", rät Katharina Erdmann von der Wildtierstation in Sparrieshoop. "Er sollte niemals ins Haus geholt werden. Die Zimmertemperatur begünstigt die Ausbreitung von Parasiten, die das Tier dann zu sehr schwächen kann. Außerdem sind Igel nicht sonderlich reinlich und riechen schnell sehr unangenehm. Bei uns befindet sich das Igelquartier in einem gesonderten Bereich auf der Außenanlage unserer Auffangstation."
Christian Erdmann
Wildtierstation Hamburg

Zurück