Verarbeitet sie ihr Trauma?

Die Augen angstgeweitet, aufgeblähte Nüstern, die Muskeln zur Flucht bereit gespannt, durch fehlende Hufpflege jedoch außerstande, zu laufen – dieses Bild des Jammers boten drei Pferde den Tierrettern von TERRA MATER bei ihrem Einsatz Ende der letzten Woche. Alle Tiere sind ohne Papiere, in einem schlimmen Allgemeinzustand, noch nie geimpft und entwurmt. Zwei Pferde, ein achtjähriger Haflinger-Mix und ein zwei Jahre alter Fjordpferd-Mix, hatten noch nie ein Halfter auf, nicht einmal einen Menschen berührt! Schneewittchen, ein 36 Jahre altes Pony, hat der Besitzer wohl vor einem halben Jahr selbst aus (noch) schlechter(er) Haltung gerettet. Schneewittchen ist gesundheitlich besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Extreme Fehlstellungen an allen Hufen machten ihr ein Laufen unmöglich!Der Eigentümer war mit der Haltung der Tiere ganz offensichtlich völlig überfordert. Nichtsdestotrotz wollte er für sein Kind, das bei der Mutter lebt, unbedingt ein Kuschel- oder Reitpferd behalten. Doch ein körperlich anstrengender Job sowie die Verpflichtung für weitere Tiere, Zicken, Schafe und Hunde, schränken seine eh knappen Ressourcen zusätzlich ein.

Erst nach langer Diskussion und deutlichen Worten durch die Mitarbeiter*innen des Veterinäramtes willigte er in die Abgabe der stark vernachlässigten Tiere ein. Als die Pferde auf den Hänger verladen worden waren, drückte er sie zum Abschied und zeigte sich einsichtig. Doch die Gefahr, dass alles so weitergeht wie bisher, besteht zweifellos: Auf dem Gelände befinden sich noch ein Hengst sowie eine Stute mit Fohlen, die erneut tragend ist. Für diese Tiere seien angeblich Käufer da. Die Tierärztin, die ein Pferdehalteverbot ausgesprochen hatte, versicherte, dass sie den Fall weiterhin scharf beobachten wird. Die drei Tiere, die vor wenigen Monaten in einem noch schlimmeren Zustand gewesen sein sollen, sind bei unserer Partnerstation, dem RZF Heideland e.V. in Korgau, auf jeden Fall jetzt in Sicherheit! Bei Schneewittchen, um die es am schlimmsten steht, versucht der Hufschmied heute sein Glück. Sie lässt alles, wirklich alles, geduldig über sich ergehen. Einzig, wenn es darum geht, zu laufen, erhebt sie verständlicherweise vehement Einspruch aufgrund immenser Schmerzen. Wie es mit ihr weitergeht, lässt sich noch nicht sagen, wir müssen aufs Schlimmste gefasst sein…Die anderen beiden Pferde werden nun behutsam an Menschen und Halfter gewöhnt. Auch gegen ihren schlechten Hufzustand wird sukzessive gearbeitet.

Noch sind sie extrem scheu und auch namenlos. Es bleibt zu hoffen, dass die Tiere, die allesamt von äußerst liebenswerter Wesensart sind, die Schatten ihrer Vergangenheit bald hinter sich lassen können.

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