Neues von Gassigängerin Isabelle

Zwei neue Schützlinge Nach meinem ersten Bericht vom 02.12.2014 über die Pitbull-Mischlingshündin Jamie hat sich bei Terra Mater in Lustadt einiges getan: Viele neue Tiere wurden aufgenommen und nicht wenige konnten in ein neues Zuhause vermittelt werden. Andere leben wiederum schon seit Monaten im Tierheim – so auch die zwei bis drei Jahre alte Kangalhündin Garib und ihr bester Kumpel, der etwa ein Jahr jüngere Kangalmischling Salim. Kangals sind große Herdenschutzhunde aus der Türkei mit einem typischen Aussehen (beige mit schwarzer Maske) und einem ruhigen, selbstsicheren und willensstarken Wesen.Man könnte sie auch liebenswerte Dickköpfe nennen – eine Beschreibung, die perfekt auf Garib zutrifft, wie ich bei unserem ersten gemeinsamen Spaziergang erfahren durfte. Will man nach rechts, sie aber lieber nach links, bleibt Garib kurzerhand stocksteif stehen oder legt sich sogar einfach hin. Sie macht bewusst von ihrem stolzen Gewicht Gebrauch, um ihren Willen durchzusetzen. Da ist Geduld und Konsequenz gefragt: Gibt man nach, wird der Hund immer wieder versuchen, die Entscheidungen zu treffen, die dem „Rudelführer“, also im Idealfall dem Menschen, vorbehalten sind. Will man nicht ständig in Diskussionen um die Chefposition verwickelt werden, darf man nicht locker lassen. Bei Garib habe ich das Problem nach einigem Herumprobieren gut in den Griff bekommen: Stellt man sich mit dem Rücken zu ihr und ignoriert sie eine zeitlang, hört man schon bald von hinten einen resignierten Seufzer – Garib steht auf und es kann in die geplante Richtung weitergehen. Inzwischen hat Garib verstanden, dass ich einen noch größeren Dickkopf habe als sie und die Spaziergänge laufen um einiges harmonischer ab.Während Garib schon einige Grundkommandos beherrscht, hat es einige Wochen gedauert, bis ich anfangen konnte, auch mit Salim zu üben. Weil er Fremden gegenüber sehr ängstlich ist, musste ich erst langsam sein Vertrauen gewinnen. Anfangs ließ er sich kaum anleinen, erschrak bei schnellen Bewegungen und wollte nicht gestreichelt werden. Er ist zwar lange noch nicht so verschmust wie Garib, die am liebsten den ganze Tag nur kuscheln möchte, aber er macht große Fortschritte: Inzwischen kommt Salim von sich aus auf mich zu, schreckt nicht mehr vor Berührungen zurück und lässt sich sogar den Bauch kraulen. Salim orientiert sich stark an Garib und sie hilft ihm dabei, seine Angst vor Menschen zu überwinden. Im Moment übe ich mit Salim die Kommandos „Sitz“ und „Platz“ sowie das Abrufen – auf seinen Namen hört er noch nicht zuverlässig. Beide Hunde waren aber von Anfang an sehr gut leinenführig und mit dem Einsatz von Körpersprache lernte Salim innerhalb weniger Tage, an der lockeren Leine „bei Fuß“ zu gehen.Ein eingespieltes Team Garib und Salim, die Seltsame und der Makellose (so lassen sich ihre Namen frei ins Deutsche übersetzen), sind ein Herz und eine Seele. Sie kuscheln, spielen, toben und raufen liebend gerne miteinander. Für den Zuschauer gibt es dabei viel zu staunen und zu lachen: Die sonst so gemächlichen Hunde können blitzschnell rennen, wilde Haken schlagen und überraschend hoch springen. Garib behält dabei immer die Oberhand, aber sie lässt dem jüngeren Salim viel durchgehen. Er hat einen besonderen Trick entwickelt, um ihr ein Spielzeug zu klauen: Er jagt ihr hinterher, packt sie am Hinterbein und zieht so lange, bis Garib das Gleichgewicht verliert, auf die Seite fällt und das Spielzeug loslässt, um sich zu wehren. Dann schnappt er sich fix seine Beute und rennt davon – aber weit kommt er meist nicht, denn Garib hat sich den Trick schnell abgeschaut und schlägt Salim inzwischen mit seinen eigenen Waffen. Nach dem Toben machen es sich die beiden auf der Wiese gemütlich und haben nichts dagegen, wenn man sie als Kopfkissen auf vier Beinen benutzt. Dass zwei so große und zugegebenermaßen nicht immer ganz einfache Hunde zusammen vermittelt werden, ist unwahrscheinlich, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf: Wer Garib und Salim zusammen erlebt hat, kommt kaum darum herum, sich in sie zu verlieben.Fortsetzung folgt...

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