Katzenkastration ist immens wichtig

Vor kurzem übernahm der Geißblatthof, TM-Partner in Warpe, elf Katzen, die unsere Partnerstation in Soltau, die Wildtierhilfe Lüneburger Heide, aus Kapazitätsgründen „auslagern“ musste. Der Halter hatte die Wildtierhilfe Anfang dieses Frühjahrs kontaktiert, da die Tiere sich auf seinem Bauernhof unkontrolliert vermehrten. Den Rat, sie einzufangen, um sie umgehend zur Kastration zu bringen, befolgte er leider nur bedingt: Erst Wochen später brachte er mit 17 Tieren lediglich einen Teil, der zu diesem Zeitpunkt bereits tragend war.

Die Katzen, um die sich dieser Artikel dreht, sind inzwischen kastriert. Doch die auf dem Hof verbliebenen Tiere streunen weiterhin umher und vermehren sich, zu Lasten der Tierheime und der Stadt Soltau, die künftige Kastrationsaktionen natürlich bezahlen darf. Dieses konkrete Beispiel klingt vielleicht undramatisch, eine kleine Hochrechnung beweist aber das Gegenteil: Eine nicht kastrierte Katze wirft im Jahr zwei- bis dreimal durchschnittlich drei Junge. Nach einem Jahr ist so die Zahl auf noch überschaubare zehn bis zwölf Tiere angestiegen. Wenn keine Kastration erfolgt, sind es nach nur fünf Jahren bereits 12.000 Tiere und spätestens hier geht jede Übersicht verloren... Ein weiterer Punkt, anhand dessen die dringende Notwendigkeit deutlich wird, Freigänger-Katzen kastrieren zu lassen, ist die Immundefizit-Erkrankung FIV (vergleichbar mit dem menschlichen HI-Virus). FIV wird überwiegend unter nicht kastrierten Katzen weitergegeben. Alarmierend: Inzwischen wird jede 4. Fundkatze positiv getestet.

Bereits mit einem halben Jahr können kleine Kätzchen zum ersten Mal rollig und damit sicher trächtig werden: Denn die Katze produziert den Eisprung spontan während des Deckaktes, und ein zeugungsfähiger Kater findet sich immer! Diese Besonderheit im Zyklus sichert ihr eine stabile Population und erschwert es auch, folgendem Teufelskreis zu entrinnen: Weil die Katze bis zu dreimal im Jahr rollt, ist sie natürlich geschwächt und damit anfälliger für Krankheiten – in einem Landkreis, in dem die FIV sich ausbreitet, doppelt brisant! Auch für die Tierheime bedeuten die FIV-Träger-Katzen eine doppelte Belastung. Die Infektion – die für Menschen nicht ansteckend ist – ist unberechenbar: Viele FIV-Träger bleiben bis an ihr Lebensende völlig symptomfrei. Bricht die Krankheit aber aus, hat der Katzenhalter mit regelmäßigen Tierarztkosten und erhöhtem Pflegeaufwand zu rechnen.Die Kastrationsverordnung, die es inzwischen glücklicherweise in einigen Kreisen und kreisfreien Städten gibt, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Doch erst, wenn alle Landkreise an einem Strang ziehen, können Kastrationsprojekte langsam Früchte tragen. Darüber hinaus ist natürlich jeder einzelne Halter auch gefordert, rechtzeitig an die Kastration seines Katzenkindes zu denken.

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