Kakadu Purzel: Sozialisierung nach 60 Jahren

Kakadu Purzel

Ein Anruf vom Veterinäramt in der TM-Partnerstation Wildtierhilfe Lüneburger Heide e. V. in Soltau kündigte einen nicht artgerecht gehaltenen Kakadu an. Die Frage, ob sie ihn aufnehmen könne, bejahte Stationsleiterin Diana Erdmann ohne zu zögern. Auch die Warnung, dass das Tier in einem sehr schlechten Zustand sei, schockte sie erst einmal nicht, da viele ihrer Pfleglinge ein schweres Schicksal haben. Bei seiner Ankunft war sie dennoch tief erschüttert…

Diana Erdmann weiß, dass die intelligenten Papageienvögel sehr anspruchsvoll sind und viel Aufmerksamkeit benötigen: „Bereits auf kleinste Haltungsfehler reagieren die hochsensiblen Tiere äußerst empfindlich.“ Vor diesem Hintergrund macht Purzels Leidensgeschichte einfach nur traurig, sprachlos, fassungslos: Fehlernährung sowie 60 Jahre „Isolationshaft“ in einem viel zu kleinen Käfig – gerade einmal 60 Quadratzentimeter – hatten den Kakadu nachhaltig gezeichnet.

Die körperlichen Folgen, Arthrose in beiden Flügeln sowie ein irreparabler Leberschaden, bildeten dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die psychische Störung, die Purzel entwickelt hatte, äußerste sich darin, dass er sich zwanghaft und exzessiv die Federn ausrupfte: Sein Körper war nahezu nackt, als er nach Soltau kam! „Kakadus sind Schwarmvögel“, erklärt Diana Erdmann den tierischen Selbstzerstörungsdrang. „Sie gehen lebenslange Paarbindungen ein und halten ständig soziale Kontakte. Der Mensch kann ihnen keinen Artgenossen ersetzen.“

Um dem traumatisierten Purzel in der völlig neuen Umgebung in Soltau wenigstens ein Stück Vertrautheit zu erhalten, zog er zusammen mit seinen alten Käfig um. Dieser wurde mit geöffneter Tür in einen großen Vogelbauer gestellt. So konnte der Kakadu den Zeitpunkt der räumlichen Veränderung selbstbestimmt entscheiden. Inzwischen wird er behutsam an seine Artgenossen im Vogelhaus herangeführt: Durch die Käfigstäbe nimmt Purzel bereits Kontakt zu ihnen auf. Auch sein Appetit ist wieder da – er frisst gut. Das Schönste aber ist, dass seine Federn wieder sprießen können, da er sie sich nicht direkt wieder ausreißt.

„Eine vollständige Heilung ist ausgeschlossen, dafür sind die Schäden aufgrund der langfristigen Fehlhaltung zu schwer. Aber es kann eine Besserung erzielt werden“, sagt Diana Erdmann. „Hier sind wir auf einem guten Weg. Wenn Purzel sich weiter so gut entwickelt, besteht eine reelle Chance, ihm einen Partner zur Seite zu stellen bzw. ihn in die Gruppe zu integrieren.“

 

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