Unsere Expertin für Wildtiere und Greifvögel

Ilka Simm-Schönholz - Foto: Baernd Fraatz

"Eine Waldschule im Grünen" - zwischen Potsdam und Bergholz-Rehbrücke, mitten im Landschaftsschutzgebiet Ravensberge, liegen das "Waldhaus" und der "Falkenhof" des Wald-Jagd-Naturerlebnis e. V. Ilka Simm-Schönholz ist seit der ersten Stunde dabei und berichtet uns von der Faszination, Wildtiere und Natur ganz unmittelbar zu erfahren.

TM: Sie haben das "Waldhaus" und den "Falkenhof" gemeinsam mit Ihrem Ehemann ins Leben gerufen. Wie ist dieses Projekt damals entstanden?

Ilka Simm-Schönholz (ISS): Wir hatten ursprünglich die Idee zum Aufbau einer Waldschule — eine Waldschule mitten im Wald. Ich bin von Haus aus Pädagogin und träumte davon, den Wald mit seinen Tieren und Pflanzen nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern auch möglichst vielen Erwachsenen in allen Jahreszeiten nahe zu bringen. Jeder sollte Natur lebendig erleben können! — Als wir 1999 mit unserem Projekt starteten, war unser jetziges Gelände allerdings noch total zugewuchert und gehörte dem Landesvermessungsamt.

TM: Doch Sie erhielten den Zuschlag fürs Gelände?

ISS: Genau, dann ging es so richtig los und es wartete eine Menge Arbeit auf uns. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir zu Beginn und nur zu dritt die Unmengen an Himbeersträuchern entsorgen mussten und uns an die Renovierung des alten Gebäudes machten. Doch bereits in der Umbauphase wurden uns die ersten Tiere gebracht. Ein Fuchs, eine Nebelkrähe und mehrere Waschbären waren die ersten Wildtiere auf dem Gelände der Waldschule.

TM: Und wie ging es weiter?

ISS: Ich bildete mich weiter, machte den Jagd- und später auch den Falknerschein, damit wir Greifvögel aufnehmen durften. Im Jahr 2003 kauften wir uns außerdem den "Willi", einen sibirischen Uhu, und einen Falken und zudem gab es eine glückliche Fügung: Der Deutsche Wetterdienst, der damals das Gelände des heutigen Falkenhofs als Standort genutzt hatte, zog um. Wir bewarben uns und konnten im Januar 2004 mit dem Aufbau der zweiten Einrichtung loslegen.Eine kleine Idee wurde zum großen Projekt

TM: Jedes Jahr kommen unzählige Menschen zu Besuch, von Kita- Gruppen bis hin zu interessierten SeniorInnen. Was kann man im "Waldhaus" heute alles erleben?

ISS: Wir möchten unseren BesucherInnen ein möglichst abwechslungsreiches und umfangreiches Programm bieten. Im Waldhaus bieten wir Kitas "Lernort Natur" an — ein 12-Monate-Programm und Schulklassen bieten wir Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit "Natürlich sind wir stark". Weiterhin thematische Veranstaltungen zur Lebensweise von Wildtieren u. v. m. Außerdem können die Kinder unter Anleitung selber Laubhütten bauen oder mit Naturmaterialien basteln, Tiere beobachten und unsere Wildtierauffangstation kennenlernen.
TM: Auf dem "Falkenhof" kümmern Sie sich seit 2012 um eine besondere Aufgabe. Worum handelt es sich dabei?

ISS: Wir kümmern uns um die Aufzucht des Schreiadlers zur Auswilderung durch den NABU. Für uns ist es eine Herzenssache, denn dieser Greifvogel ist vom Aussterben bedroht. In Deutschland gibt es nur noch ca. 100 Paare.
TM: Gibt es bei der Aufzucht spezielle Punkte zu beachten?

ISS: Ja, tatsächlich ist diese Aufgabe ein wenig knifflig, denn der Schreiadler betreibt so genannten "Kainismus", also Brudermord. Daher wird eines der beiden befruchteten Eier zum Schutz aus dem Horst geholt, zu uns gebracht und im Brutkasten ausgebrütet. Die Aufzucht der Jungvögel verlangt viel Disziplin von uns: Da sich die Vögel schnell an den Menschen gewöhnen, müssen wir jedes Mal eine Adlermaske und ein Kostüm tragen, bevor wir uns ihnen nähern. Nur dann kann die spätere Auswilderung gelingen. Nach sieben Wochen bei uns, kommen sie in die Auswilderungsstation von Brandenburg und im Herbst fliegen die Vögel dann in den Süden. Inzwischen sind einige der Adler, die wir aufgezogen haben, sogar schon mit wilden Partnern nach Brandenburg zurückgekehrt.

TM: Was fasziniert Sie grundsätzlich an Ihrer Arbeit?

ISS: Ich freue mich jedes Mal, wenn wir unsere Wildtiere nach der Pflege gesund und fit in die Freiheit entlassen können. Das ist immer ein ganz besonderer Moment für alle Beteiligten. Bei Greifvögeln, mit denen wir arbeiten, finde ich es hingegen faszinierend, dass man eine enge Beziehung zu ihnen aufbauen kann, obwohl sie keine "Streicheltiere" sind. Das geht natürlich nur mit einer gesunden Portion Respekt, viel Geduld und dem Wissen um ihren Charakter. Erst dann können sie das nötige Vertrauen aufbauen, welches die Grundlage dafür bildet, dass sie freiwillig zu mir zurückkehren.

TM: Vielen Dank für das Interview!

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