Igel in Kurzzeitpflege

Sie stromern jetzt vermehrt durch die Gärten und sind mit ihren dunklen Knopfaugen äußerst possierlich anzusehen. Doch wenn es darum geht, Igeln fachgerecht über den Winter zu helfen, ist gut gemeint leider selten gut gemacht! Vorbildlich verhält sich eine Familie aus einem kleinen Ort vor den Toren Hamburgs: Sie beherbergte in diesem Jahr bereits drei tierische Kurzzeitpflegekinder. Zum Herbstanfang hatte das Ehepaar ein erwachsenes, verletztes Igelmännchen übergangsweise im heimischen Wäschekeller einquartiert. Um den empfindlichen Igelohren kein störendes Waschmaschinengeräusch zuzumuten, war die Maschine vorerst stillgelegt worden. Glücklicherweise konnte der kleine Igel aber schon bald nachdem er tierärztlich versorgt worden war, gesund wieder in die Freiheit entlassen werden.Doch an wachsende Wäscheberge sollte sich die Familie gewöhnen. Denn schon Ende Oktober fand sie in ihrem Garten erneut zwei kleine, zum Überwintern in der freien Natur zu leichte Igel. Ihr Übergangsquartier nach dem obligatorischen Tierarztbesuch: natürlich der Wäschekeller. Wieder stand die Waschmaschine still. Die Familie ertrug die Einschränkung zum Schutz der Tiere tapfer. Fleißig pürierte sie Banane mit Katzenfutter, Haferflocken und Eigelb und putzte zweimal täglich die Tiertoilette. Unzählige Telefonate später konnte schließlich durchgeatmet werden. Ein wunderbares Winterquartier war gefunden: Eine Igelexpertin aus dem Tierpark Nindorf nahm die Schützlinge in ihre private, persönliche Obhut, weil der Tierpark keine Igel aufnimmt. So endete auch die Kurzzeitpflege dieser beiden Igelhelden, und die Waschmaschine läuft seitdem wieder! Den sensiblen Umgang mit Wildtieren in diesem Menschenhaushalt honoriert der erste Pflegeigel, der an dem weißen Fleck auf seiner Nase wiedererkannt wurde: Er zog kurzerhand in die Hundehütte ein, die auf dem „wilden Teil“ des Grundstücks steht. Gut ausgepolstert mit Heu bietet sie ihm anscheinend ein behagliches Zuhause. Dort nimmt er nun allabendlich einen Teller Futter entgegen. Ein Tipp für alle Nordlichter, die im Hamburger Umland ebenfalls verletzte oder zum Überwintern zu magere Igel finden: Weitere Auffangstationen befinden sich sowohl in Elmshorn als auch in Bergedorf!

Zurück