Hündin Bounty im Unglück

TM-Partner Tier und Umweltschutzhof Geißblatt e. V.

Hündin Bounty im Unglück

Die Vorgeschichte: Im Sommer 2015 wohnte die fünfjährige Jack Russell Chihuahua Mix Hündin Bounty noch bei ihrer Menschenfamilie in Braunschweig. Sie war mit ihren Welpen im Vorgarten, als der Briefträger, ein bekennender Hundehasser, die Post brachte. Bounty meldete sein Erscheinen, woraufhin der Zusteller Hund und Halter anschrie, „der Köter solle verschwinden“. Der Halter bat, kurz zu warten, um Bounty anzuleinen. Der Briefträger betrat jedoch sofort den Vorgarten und trat nach der inzwischen aufgebracht bellenden Hündin. Daraufhin schnappte sie – nach Aussagen des Halters und einer anwesenden Nachbarin – nach einem Hosenbein des Briefträgers. Dieser beteuerte jedoch, sie habe ihn ins Bein gebissen.

Damit nahm das Elend seinen Lauf. Es kam zur Anzeige. Der Briefträger, dem nachgewiesen werden konnte, dass er alle diesbezügliche Amtspost verschwinden ließ, wurde dafür sogar seines Amtes enthoben. Dennoch wurde ein Verfahren gegen Bounty eröffnet, die recht unvorbereitet zum Wesenstest antreten musste. Leider bestand sie ihn nicht, fiel aber auch nicht mit „Pauken und Trompeten“ durch. Die Tierärztin, die den Wesenstest abgenommen hat, hätte sich vielmehr in verschiedenen Bereichen ein Training und dann einen Nachtest gewünscht: Weil Bounty z. B. zuvor kein Maulkorbtraining absolviert hatte, war sie nur mit diesem beschäftigt, sodass ein etwaiges Fehlverhalten in mit Maulkorb gesicherten Situationen gar nicht abgeprüft werden konnte. Auch mangelnde Hund-Halter-Bindung war ein Kritikpunkt. Da das Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) in allen Landkreisen etwas unterschiedlich ausgelegt wird, wurde Bounty aber ein Wiederholungstest in ihrem Heimatort nicht zugestanden.

So kam sie zur TM-Partnerstation, dem Geißblatthof, weil sie aktuell in Niedersachsen nur noch in Tierheimen oder tierheimähnlichen Einrichtungen mit Sachkundenachweis nach §11 des Tierschutzgesetzes gehalten und von sachkundigen Person mit Leine und Maulkorb geführt werden darf. Beim TM-Partner in Warpe verbessert sich Bountys Verhalten stetig, sie wird sicherer. Vor allem hat sie hier gelernt, dass sich Gehorsam für sie lohnt und alle Situationen für sie abgeklärt werden. Weil sie darauf immer mehr vertraut, entspannt sie sich deutlich und entwickelt ein zunehmend fröhliches Wesen.

Laut seiner Vorbesitzerin ist Bounty kinderlieb, gut verträglich mit anderen Hunden, lebhaft und verschmust. Sie kann gut allein bleiben, ist eine tolle Begleiterin beim Joggen und Radfahren, schwimmt gerne und zeigt kaum Jagdtrieb. Soweit die Mitarbeiter*innen unserer Partnerstation dazu eigene Beobachtungen machen konnten, können diese jeden Punkt bestätigen. Selbst für Halter mit einer höchstens mittelmäßigen Portion Hundeverstand ist Bounty, obwohl sie für gefährlich erklärt wurde, ein wirklich gut zu führender Hund! Jeder verdient doch eine zweite Chance!

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