Gassigängerin Isabelle: Viel Herz und Zeit für unsere Tiere in Lustadt

Foto: Privat

Tierschutzarbeit bringt viele unterschiedliche Aufgaben mit sich, bei deren Bewältigung wir tolle Unterstützung durch unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer erhalten. Zum heutigen Tag des Ehrenamtes möchten wir Ihnen unsere fleißige Helferin Isabelle aus Germersheim vorstellen, die jede Woche in unserer Tierauffangstation in Lustadt vorbeischaut. Isabelle erzählt uns hier von ihrer "ersten großen Hundeliebe" Jamie. Im Dezember 2012 lief meiner Nachbarin eine Katze zu. Sie war verschmust, verspielt und wollte die Wohnung partout nicht mehr verlassen. Da ich selbst zwei Katzen habe, lieh ich meiner Nachbarin für ein paar Tage ein Katzenklo, Futternäpfe und Spielzeug. Leider konnte sie die Katze nicht behalten und das Tier wurde vom Ordnungsamt zu TERRA MATER in Lustadt gebracht. Das Schicksal der Katze ließ mich nicht los und ich beschloss, sie in der Tierauffangstation zu besuchen, wo ich herzlich empfangen wurde. Es hatte sich herausgestellt, dass die Katze ein Kater war – er hörte nun auf den Namen "Rudi". Ich durfte mit "Rudi" kuscheln, bei der Versorgung der anderen Kleintiere helfen und den Alltag der Tierauffangstation kennenlernen. Rudi wurde bald vermittelt, aber ich besuchte weiterhin das Katzenhaus von TERRA MATER und fing an, mich auch für die Hunde zu interessieren und mit einigen Gassi zu gehen. Ich hatte mir selbst immer einen Hund gewünscht, hätte ihm aber bisher kein tiergerechtes Zuhause bieten können. Mein erster echter Schützling war "Lucky", ein mittelgroßer, kurzhaariger, schwarzer Mischling. Er war sehr lernwillig und verspielt, aber er ließ sich schnell von äußeren Einflüssen ablenken und zog stark an der Leine. Nach einiger Zeit fing ich an, mit ihm am Grundgehorsam und an der Leinenführigkeit zu arbeiten. Im Gegenzug zeigte er mir, wie man mit Hunden umgeht. Mir war wichtig, dass Lucky am gemeinsamen Spazierengehen und Üben mindestens genauso viel Spaß hatte wie ich – es wäre mir nie in den Sinn gekommen, ihn mit Gewalt zu etwas zu zwingen oder ihn anzuschreien. Ich versuchte von Anfang an, mich in Lucky hineinzuversetzen, sodass ich ihm auf für ihn verständliche Art und Weise zeigen konnte, was ich von ihm erwartete. Es mag gewöhnungsbedürftig klingen, dass jemand mit wenig Hundeerfahrung versucht, einen Hund zu erziehen, aber es hat zu meinem eigenen Erstaunen sehr gut funktioniert. Zugegebenermaßen machte es Lucky mir sehr leicht; er war nicht traumatisiert, sondern sehr offen und sozial. Wir durften sogar am wöchentlichen Hundetraining bei TERRA MATER teilnehmen, was eine tolle Erfahrung war. Als Lucky vermittelt wurde, fehlte er mir sehr. Ich suchte mir aber bald ein neues "Opfer" und wählte "Jamie", eine hellbraune Pitbull-Mischlingsdame, die ich bisher überhaupt nicht beachtet hatte. Mir war zunächst kaum klar, dass ich mit einem sogenannten Kampfhund unterwegs war und viele Menschen Vorurteile gegenüber diesen Rassen hatten. Ich ließ mich von Jamie durch die Gegend schleifen – in den ersten Wochen hatte ich nach dem Gassigehen immer das Gefühl, mein rechter Arm sei um einige Zentimeter in die Länge gezogen worden. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, warum ich nicht aufgab: Jamie beachtete mich anfangs überhaupt nicht, hatte in vielen Alltagssituationen Angst und war unverträglich mit anderen Hunden. Von Spaß beim Spazieren konnte zu Beginn nicht die Rede sein! Jamie war eine liebe, aber sehr verstörte Hündin. Kein Wunder: Sie war an einem Baum angebunden gefunden worden, wurde abgemagert und verängstigt zu TERRA MATER gebracht und verkroch sich dort in den ersten Wochen in einer Ecke ihres Zwingers. Wer weiß, was sie in ihrem bisherigen Leben schon hatte ertragen müssen. Ich ließ aber nicht nach und besuchte Jamie weiterhin mehrmals pro Woche. Mit der Zeit wurde aus ihr meine erste große Hundeliebe: Sie taute endlich auf, spielte auf dem Hundeplatz mit ihrem Ball, lernte freudig alle Grundkommandos, wurde verschmust und sogar frech! Wir tobten, übten und wanderten monatelang fast jeden Tag. Wir nahmen am Hundetraining teil und wurden ein tolles Team.

"Ich lernte in dieser Zeit das wunderschöne Gefühl kennen, einem Tier nach und nach die Angst zu nehmen und ihm durch das eigene sichere Auftreten die Möglichkeit zu geben, Menschen wieder zu vertrauen."

Mit Bravour bestand Jamie im September 2014 den Wesenstest – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie vermittelt werden konnte. Es hatten sich schon viele Menschen für sie interessiert, aber aus verschiedenen Gründen hatte es nie geklappt und Jamie lebte nun schon anderthalb Jahre in der Tierauffangstation. Doch dann war es soweit: Ein junges Pärchen hatte Jamie ins Herz geschlossen. Die beiden verbrachten jede freie Minute mit ihr und bezogen mich sogar in die Vermittlung mit ein, wofür ich sehr dankbar bin. Vor wenigen Wochen durfte Jamie in ihr neues Zuhause einziehen, wo es ihr richtig gut geht. Ich besuche sie ab und zu und darf miterleben, wie sie sich weiterentwickelt und das Leben in einer Familie genießt. Es ist nicht in Worte zu fassen, wie glücklich es mich macht, dass sie endlich ein echtes Zuhause hat. Ich denke immer noch jeden Tag an Jamie und werde die einzigartige Zeit mit ihr nie vergessen. Auch jetzt bin ich immer wieder bei TERRA MATER zu finden, unter anderem weil sich zu den Tierpflegerinnen und anderen regelmäßigen Gassigehern eine Art Freundschaft entwickelt hat. Ich erfahre die Stunden in der Tierauffangstation wie einen Kurzurlaub – dort kann ich vom Uni-Alltag abschalten und das tun, was mir am meisten Spaß macht: Zeit mit Tieren verbringen.

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